FFW Egloffstein e.V.
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Chronik

110 Jahre Freiwillige Feuerwehr Egloffstein

110 Jahre Freiwillige Feuerwehr Egloffstein

 

Die historische Entwicklung

Eigeninitiativen im Brand- und Katastrophenschutz

bis zur heutigen leistungsstarken Wehr

 

 

Ritterschaftliche Orte hatten zu allen Zeiten ihre besondere Ausstrahlung. Bewehrte Ansitze boten für die Menschen Schutz, wirkten aber auch für kriegslüsterne Völker geradezu anziehend. Nicht selten heißt es daher in den Chroniken: „... Burg und Ansitz wurden zerstört, der Rest fiel dem Feuer zum Opfer.“

 

In Egloffstein wurde der Gedanke, sich mit eigenen Möglichkeiten zur Wehr zu setzen, recht früh schon gepflegt. Für den Territorialherrn waltete seines Amtes der Amtsvogt Johann Bauer am 14. Januar 1769 ein Regulativ um Ordnung für das Gemeinwesen zu gebieten: „... Soll über vorstehende Articel förderhin auf das pünktlichste gehalten - und nicht die geringste Contratvention dagegen gestattet werden!“

 

Bereits 1746, aber auch 1751 gewährte die Gemeinde 15 und 22 Kreuzer für Brandgeschädigte.

 

1730     „45 Kreuzer hat Conrad Förtsch Strafe zu bezahlen, weil seine Dürre (Darre) brennend worden.“

 

1739     „verurteilte man bei einer Strafe von 1 Gulden 30 Kreuzer Hanns Heyd wegen dem 2. Brand in dessen Dürre (Darre).“

 

Der Gedanke der Selbsthilfe fand seine Förderung, denn Vorbeugen sei besser als Schäden beheben.

 

25. Januar 1757    „Ist von der Gemeinde beschlossen worden, daß die künftigen Wächter um mehrerer Sicherheit willen, allzeit bey Conrad Förtschens Hauß die Stund schreyen und also einen Stand mehr.“

Der so oft zitierte Nachtwächter wurde vornehmlich vorbeugend für den Brandschutz eingesetzt.

 

1786    finden wir den ersten Hinweis auf die Beschaffung einer Feuer­wehrspritze: „Feuerwehrspritze in Erlangen beschafft, 10 Kreuzer Fuhrlohn, diese kostet 26 Gulden, 30 Kreuzer.“ Wir können daher mit Fuge und Recht von 200 Jahren Feuerschutz in Egloffstein sprechen.

 

Im 19. Jahrhundert geht man das Problem „Feuerschutz“ noch mehr an. Es entstanden Wasserentnahmestellen im oberen Ortsteil. Recht unterschiedlich waren bis zum Eintritt in die technisierte Zeit die Einsatzmöglichkeiten der Ortswehr. Der obere Berg mit seinen historischen Gebäuden, wie der Burg und den 7 Bauernhöfen, konnte nur aus Zisternen und vom Wasser der Bauern- und Schlehenhüll versorgt werden.

 

Anders dagegen war die Wasserversorgung für den mittleren und den unteren Berg. Quellen und Wasserläufe waren vorhanden, man mußte nur die Wasservorräte ansammeln. Als zentrale Stelle diente die unter dem Namen „Die Wiehd“ (wohl eine Namensableitung von Wöhrd = Wasseran­sammlung), die sich unterhalb des historischen Marktbrunnens (1358) befindet. Diese Wasserentnahmestelle diente lange Zeit auch für die Entnahme von Wasser für das Vieh. „1726: Brunnen und Trog und Wied zu sauern.“

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand am oberen Berg am Mayoratsgarten das Spritzenhaus (siehe Zeichnung). Fragt man, warum gerade auf dem Berg dieser Abstellraum erbaut wurde, so finden wir in unserer von der Technik bestimmten Zeit die Antwort: Man konnte vom Berg her den Einsatz der Feuerwehrspritze rationell regeln. Im Zeitalter der motorisierten Wehr ist dieser Gedanke von nebensächlicher Bedeutung.

 

 

Am 6. Mai 1888 wurde die

Freiwillige Feuerwehr offiziell gegründet.

 

 

Im Königreich Bayern ging gerade die Ära Ludwig II. (1864 ‑ 1886) zu Ende; der volksnahe, populäre Prinzregent Luitpold hatte die Regentschaft angetreten. Durch Landesgesetz wurde zur Bekämpfung von Bränden und zur Rettung von Leben und Gut die Gründung von Feuerwehren empfohlen.

 

Am 6. Mai 1888 fand die neugegründete Freiwillige Feuerwehr ihre Eintra­gung in das Register des Distrikts Gräfenberg.

 

Nennen wir die Namen jener Männer, die in verantwortlicher Position in jener Zeit an der Spitze standen:

 

          Johann Hübschmann, Baumeister             Kommandant

          Johann Rößler, Förster                            Adjutant

          Friedrich Keysel, Lehrer                           Schriftführer

          H. Walthes, Postbote                              Kassier

          K. Wehrfritz, Schmied                              Zeugwart

          Heinrich Preis, Flaschner                         Zugführer

          Johann Distler, Zimmermann                    Zugführer

          Johann Meier, Wagner                             Zugführer

 

 

Die Zeit von der Gründung bis zum Ende

des Ersten Weltkrieges

 

Leider gingen verschiedene Aufzeichnungen verloren, so daß wir nach Befragung von betagten Ortsbürgern die Besetzung der verantwortlichen Stellen vornehmen mußten:

 

Als Kommandant trugen die Verantwortung der Flaschner Heinrich Preis, der langjährige 1. Bürgermeister Johann Georg Windisch, Egloffstein Nr. 21 und der Köbler Friedrich Hofmann. Gerade Bürgermeister Windisch nahm hier in verantwortlicher Weise eine Sonderstellung ein, war es doch die Kriegszeit 1914 - 1918, wo die erfahrenen Männer an der Front standen und er den Feuerschutz mit Hilfe von alten Männern garantieren mußte.

 

 

Die Entwicklung der Wehr zwischen den Kriegen

und der Nachkriegszeit

 

Erfahrene ehemalige Soldaten standen nun wieder für die Besetzung von Führungsaufgaben zur Verfügung.

 

Am 6. Februar 1919 wurde der Landwirt Johann Georg Maier, Egloffstein Nr. 93, zum Kommandanten bestellt Sein Vertreter war Konrad Windisch. Man kann von einer Ära Maier sprechen, denn fast zwei Jahrzehnte stand er der Egloffsteiner Wehr vor. Im Jahre 1928 entschloß sich die Gemeinde, die erste Motorspritze vom Typ CD Magirus anzuschaffen. Die Einsatz­fähigkeit der Ortswehr fand eine bedeutende Steigerung.

 

1937    gab J. Gg. Maier aus Altersgründen das Kommando an einen inzwischen bewährten Mann der Wehr ab, an den Wagner Paul Maier, Egloffstein Nr. 18. Auch ihm fiel die schwere Aufgabe zu, in der Kriegszeit von 1939 bis 1945 den Feuerschutz zu sichern. Maier baute während des Krieges eine weibliche Feuerwehr auf. Paul Strian, der langjährige Kreisfeuerwehrinspektor schrieb am 23.03.44 an den Bürgermeister: „Am Sonntag, den 2. April 1944 nachmittags 15.30 Uhr, findet eine Überprüfung Ihrer Freiwilligen Feuerwehr in allen Teilen statt. Anzutreten haben alle Wehrpflichtigen und auch Feuerwehrhelferinnen, falls solche ausgebildet sind.“

 

Paulus Meier war auch stellvertretender Kreisbrandinspektor.

 

Übungsstunden fanden bereits seit 1924 am ehemaligen Mühlstadel der Wehr statt, der seitens der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde.

 

Im Sommer 1945 ließen amerikanische Besatzungstruppen 2 Einheits­spritzen deutscher Herkunft zurück. Eine Spritze davon überließ man der Firma Hofmann für die Betriebsfeuerwehr.

 

Am 27. November 1952 fanden Neuwahlen der FFW statt. Der alte Kommandant Paul Meier wurde mit 21 Stimmen wiedergewählt. Sein Stell­vertreter Hans Gemählich bekam 17 Stimmen . In dieser Zeit ging auch die Motorspritze „Magirus 1928“ kaputt. Es wurde eine neue Feuerwehrspritze TS 8 mit Anhänger gekauft. Diese wurde Ostern 1954 von Paul Heck am Gräfenberger Bahnhof abgeholt und nach Egloffstein gefahren.

 

1954     wird Hans Gemählich, Viehhändler, Kommandant. Sein Stellver­treter wird Hans Becher.

 

Ab 1956 übernahm der Metzgermeister Hans Distler als Kommandant die Ortswehr. Sein Stellvertreter war Hans Becher. In seiner Amtszeit und in den folgenden Jahren verwendete man die Zeit dafür, die Wehr auf einen technisch besseren Stand zu bringen.

 

Im Jahre 1962 löste der Zimmermann Konrad Dietsch Hans Distler als Kommandanten ab, der dieses Amt bis 1965 versah; Karl Dörr war dessen Stellvertreter.

 

Unvergessen ist der am Sonntag 29. Mai 1964 in Egloffstein stattgefundene Kreisfeuerwehrtag. Man lernte sich kennen und pflegte Kameradschaft.

 

Von 1966 bis zum März 1977 war der Gemeindebedienstete Karl Dörr der verantwortliche Kommandant. Sein Stellvertreter war Erich Wirt.

 

Der alte Abstellraum neben dem Anwesen Egloffstein Nr. 10 war inzwischen zu klein geworden. Schließlich wurden die Abstellräume 1969 erweitert.

 

In jener Zeit trat die Wehr an den Marktgemeinderat heran mit der Bitte, den Erfordernissen der Zeit Rechnung zu tragen und ein motorisiertes Fahrzeug anzuschaffen. Der Marktgemeinderat zeigte viel Verständnis für das Anliegen der Wehr und so erhielt sie am 26. Juli 1971 ihr erstes motori­siertes Fahrzeug vom Typ MAN TLF 16. Unvergessen bleibt die gemeinsame Fahrt mit Bürgermeister H. Daut, dem Fahrer Paul Heck, den Feuerwehrmännern Erich Wirth, Karl Dörr und Georg Distler zu der Firma Ziegler in Gingen/Brenz, wo das neue Fahrzeug in Empfang genommen wurde. Egloffstein hatte endlich ein modernes Tanklöschfahrzeug. So ist nun die Wehr mit der 1956 zusätzlich beschafften Tragkraftspritze mit Anhänger, Typ TS 8, den Erfordernissen der Zeit gerecht geworden.

 

Von März 1977 bis Februar 1991 war Erich Wirth, Bäckermeister und Marktge­meinderat, Kommandant der Wehr; Stellvertreter war Georg Distler.

 

1983     schaffte man noch 4 Atemschutzgeräte an, die bei Bränden mit Rauch- und Gasentwicklung ihre Verwendung finden. Die Ausbildung der Männer mit diesen Geräten erfolgte an der Feuerwehrfachschule in Regensburg und an der Atemschutzstrecke in Forchheim.

 

Am 8. Februar 1987 trafen sich 30 Männer aus Egloffstein und Egloff­steinerhüll im Gasthaus Schäfer und gründeten den Verein Freiwillige Feuerwehr Egloffstein e. V. In dieser Gründungsversammlung wurden gewählt:

 

          Siegfried Senfft                          als 1. Vorstand

          Heinz Mirsberger                       als 2. Vorstand

          Udo Porisch                              als Schriftführer

          Georg Distler                            als Kassier, verst. 11.12.88

          Bernd Prütting                           als Beisitzer

          Karl Dörr                                   als Beisitzer, verst. Nov. 1987

          Gisbert Härter                           als Beisitzer für Karl Dörr

          Erich Wirth                               Kommandant